Off to New York, Ms. Chancellor?

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Besides all the news about the U.S. presidential election and the accelerating hysterical process of selecting feasible candidates on both sides of the isle, there is another major position to be filled this year. At the end of 2016 Ban Ki-moon, the well regarded Secretary-General of the United Nations will end his second term without any possibility of reelection. Widely uncovered by the media as of now, this race is most likely to be determined behind the curtains of international diplomacy. However, candidates are already preparing for their bid on what can most accurately be described as the prime position on the international diplomatic circuit. After Kofi Annan – representing the African continent – and Ban Ki-moon – as the candidate of the Asian world – the new Secretary-General will most likely be of European descent. Rarely mentioned by mainstream media one of the candidates could be no one else than the current German chancellor Angela Merkel. Facing reelection in 2017, a transition from Berlin to the east side of Manhattan could appears to be as an elegant way out of a domestic situation that seems to get messier from week to week.

Grown up in a totalitarian state Angela Merkel is often portrayed as being reluctant to any form of injustice. This might in part explain her consistent, humanitarian driven behavior in the current refugee crisis. But it may also be the reason her party and her constituencies might ultimately dig her – disregarding her continuously strong position in recent nationwide polls. In light of weighing in the consequences of keeping Dublin III in place against fulfilling the obligations of the Geneva Refugee Convention she clearly opted for the latter. A decision she was mainly praised for in the beginning of the current crisis last summer. Unfortunately, things grew a little more complicated over the course of the past 6 months: a common European solution is nowhere in sight, political attacks even from own party and coalition members are growing more severe and right wing populist parties such as the AFD are gaining momentum just weeks before major state elections will bring Merkel’s current course to a test on the ballot.

Internationally, however, Angela Merkel is still well respected and her course is mainly seen as a humanitarian effort to milder the dreadful situation for millions of war torn refugees. This may not hold true for many European countries, but surely does so for major countries across the atlantic as well as to the east. Her new nickname “Chancellor of the Free World” was not coined without reason. Opting for the position as Secretary-General of the United Nations seems to be an appropriate measure to transfer a topic she seems to truly care about to an international and multilateral level where impact and leverage to negotiate common solutions is ultimately higher. No doubt, a step like this would also come with many other advantages to her. Being in the middle of her third term as German chancellor, she may face a similar deadlock situation as Helmut Kohl did in the past years of his chancellorship. After having reunited Germany (well, at least having played a major part in the reunification), he clung to the office for just too long. His way out by ultimately loosing against Gerhard Schröder in 1998 and finding himself in the midst of a very dirty party donations scandal negatively effects his legacy until present times. Last but not least a promotion of that kind would make away with all domestic and European criticism and elevate her to a position more immune to political attacks and everyday bargaining.

Angela Merkel – known for her strategic and comprehensive problem solving approach – has probably already made up her mind. The rest of us will indefinitely know as soon as Ban Ki-moon leaves office at the end of December. It surely would be a transition of great consequence.

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Der dauernde Krieg

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In diesen Tagen jähren sich zum ersten Mal die Ereignisse des Euromaidan und die Zuspitzung, welche in einer übereilten Flucht des ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Wiktor Janukowytsch, mündete. Gerade einmal vier Wochen später wurde die Krim von Russland annektiert – der weitere Verlauf des Konflikts mit den bis heute anhaltenden Kämpfen im Donbas sind hinlänglich bekannt. Die USA überlassen Europa in diesem Konflikt (noch) die uneingeschränkte Vormachtstellung. Besser muss man vielleicht sagen: Nach anfänglicher offensiver Einflussnahme halten sich die USA (zumindest nach außen) bemerkenswert zurück. Europa allerdings vermag es nicht, als handlungsstarke Regionalmacht mit klaren Zielvorstellungen aufzutreten. Das liegt nicht unbedingt an einer fehlenden Geschlossenheit in den eignenen Reihen – wenn man die Länder der EU genauer analisiert, so ist festzustellen, dass diese durchaus die gleichen Ziele verfolgen und nicht aus der gemeinsam abgestimmten Linie ausscheren. Was vielmehr auffällt ist die lavierende und teils ambivalente Vorgehnsweise gegenüber Russland. Da wird auf der einen Seite gedroht, um im nächsten Augenblick durch ein großzügiges Gesprächsangebot alle Zügel aus der Hand zu geben.

Auch das von Merkel, Hollande, Poroschenko und Putin in Minsk unter der Gastgeberschaft des letzten Diktators von Europa ausgehandelte Abkommen war schon Makulatur, da waren die pompösen Hallen des Aljaksandr Lukaschenka noch nicht wieder auf Hochglanz poliert. Die ukrainischen Panzer und jene der Separatisten rollen in der Ukraine genauso weiter wie in den Monaten zuvor. Mit Hilfe des „großen Bruders“ Russland haben die Separatisten in den vergangenen Monaten beachtliche Landgewinne erzielen können und auch die Einnahme von Debalzewe war so nur eine Frage der Zeit – wen schert da schon ein Abkommen zum Waffenstillstand und zum Abzug der Waffen, das man – wohlgemerkt – noch Tage zuvor selbst unterzeichnet hat. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass nicht die Ukraine, der man in diesem Konflikt sicherlich keinen Friedenspreis verleihen kann, sondern die Separatisten die Aufforderung zur Waffenniederlegung vollkommen ignoriert haben. Nicht die ukrainische Armee ist in den vergangenen Tagen gen Osten vorgerückt, es waren die Separatisten, die ihrerseits Delabzewe in Richtung Westen eingenommen haben.

Russland und Putin haben diesem Treiben ohne erkennbare Deeskalationsbemühungen zugesehen. Dabei ist Russland wohl der einzige „Verbündete“, der veritablen Druck auf die Separatisten und somit auch deren weitere Handlungen aufbauen kann. Solange man aber Putin mehr oder weniger gewähren lässt, fördert man damit auch die weitere Eskalation im Osten der Ukraine. Dieser Konflikt ist sicherlich weder allein militärisch, noch alleine durch die direkt beteiligten Parteien zu lösen. Was es braucht, ist ein Ansatz, der sowohl zur Durchsetzung des im Minsker Abkommen vereinbarten Waffenstillstandes vor Ort wie auch zur Deeskalation der politischen Spannungen führt. Die dauerende Einhaltung des Waffenstillstandes kann nur von einer überparteilichen und vor allem von beiden Seiten anerkannten Institution überwacht werden.

Die UN und ihre Firedenstruppen haben sicherlich nicht jeden Konflikt befrieden können, in dem sie bisher eingesetzt wurden, sie sind aber die beste und vor allem  bald einzige Möglichkeit, die für einen friedlicheren Fortgang noch bleibt. Auf poltischer Ebene darf der Druck auf Putin nicht nachlassen – Waffenlieferungen sind hier aber der falsche Weg. Liefert der Westen jetzt Waffen in die Ukraine, macht er sich genauso angreifbar und stellt sich auf die gleiche Stufe wie das sonst so hart kritisierte Russland. Durch Lieferungen von schwerem Gerät würde man von westlicher Seite nur unötigerweise weiteres Öl ins Feuer gießen – noch sind die diplomatischen und sanktionellen Mittel aber nicht vollens erschöpft. Einen Trumpf – den Ausschluss russischer Banken vom SWIFT-Protkoll – hat der Westen noch. Hierbei handelt es sich um ein internationales System, das den Banken weltweit einen sicheren Kommunikations- und Transaktionsverkehr ermöglicht. Ohne SWIFT können die russischen Banken daher international nicht tätig werden. Schon im Falle des Iran hat der Ausschluss den Weg zu substanziellen Verhandlungen massiv beschleunigt. Ein solcher Schritt soll und muss nun auch in diesem Konflikt ernsthaft diskutiert werden. Kaum eine andere Maßnahme würde Russland so sehr treffen und den wirtschaftlichen Druck nochmals massiv erhöhen.

Europa muss aber auch weiterhin an einem Strang ziehen. Interne Kritik, wie jüngst aus Großbritannien verlautet, ist dabei sicherlich erwünscht. Wenn es aber um das Vertreten gemeinsam gefundener Positionen geht, ist der Schulterschluss Europas unabdingbare Erfolgsvoraussetzung. Nur so wird  Europa von Putin überhaupt noch ernst genommen.